VW VW Golf 2.8 V6 4Motion (1999-2003) IV Tests

Fahrbericht für VW Golf 2.8 V6 4Motion (1999-2003) IV von V64Motion

(50) V64Motion vor 2 Jahren
VW Golf 2.8 V6 4Motion (1999-2003) IV

Hallo Community,

ich habe mir meinen Golf IV V6 4Motion im Dezember 2005 beim VW-Händler gekauft. Er hatte nur einen Vorbesitzer, der sehr penibel alle Serviceintervalle eingehalten hat. Alle Rechnungen lagen vollständig vor. Der damalige Kaufpreis lag bei 12.900 € inkl. einem Jahr Garantie, der Kilometerstand betrug sinerzeit 59.000 km. Ich fahre das Fahrzeug mittlerweile im siebten Jahr und kann mir immer noch kaum etwas passenderes vorstellen.

Der Golf V6 bereitet immer wieder Fahrspaß, der tolle Motor und die sehr guten und sicheren Fahreigenschaften begeistern mich noch immer. Auch der bei diesem Modell serienmäßige Allradantrieb macht das Fahren insbesondere bei ungünstigen Straßenverhältnissen wesentlich angenehmer und sicherer. Das Fahrverhalten auf feuchten und rutschigen Untergründen ist im Vergleich zu einem Fahrzeug mit nur einer angetriebenen Achse erheblich besser. Gelegentlich wird dieses Fahrverhalten als etwas langweilig beschrieben. Ich bin allerdings der Auffassung, dass es absolut berechenbar und damit völlig unproblematisch ist: bei der Abstimmung stand seitens VW die Sicherheit an erster Stelle. Folglich können selbst ungeübte Fahrer mit diesem Auto schnell und vor allem sicher unterwegs sein.

Allerdings: trotz innenbelüfteter Bremsscheiben rundum (vorne: 312 mm, hinten 256 mm Durchmesser) kann ich den Bremsen insgesamt nur eine mittelmäßige Verzögerungsleistung bescheinigen. Insbesondere wenn aus höheren Geschwindigkeiten stark abgebremst werden muss, kommt bei mir immer der Wunsch nach einer verstärkten, kräftigeren Bremsanlage auf. Im direkten Vergleich ist hier die Bremse des etwas stärkeren VW Golf IV R 32 spürbar wirkungsvoller.

Das Fahrwerk ist recht komfortabel ausgelegt und legt den Golf etwa 15 mm tiefer. Das Gewicht des Fahrzeugs beträgt laut Fahrzeugschein 1.482 kg. Da immer wieder unterschiedliche Gewichte für diesen Wagen zu lesen sind, wollte ich es genau wissen und war auf der Waage: mein V6 wiegt vollgetankt und ansonsten völlig leer exakt 1.480 kg. Das relativ hohe Fahrzeuggewicht ist jedoch gleichzeitig auch ein Manko: es ist ganz wesentlich dafür verantwortlich, dass die Fahrleistungen nicht noch besser ausfallen.

Auch der Spritverbrauch bei hohen Autobahntempi ist nicht zu unterschätzen. Das Gewicht will bewegt werden, und das ist nicht günstig zu haben. Verbräuche um 9 l/100 km sind nur bei längeren Autobahnstrecken im mittleren Geschwindigkeitsbereich im 6. Gang zu realisieren. Bei regelmäßigem Leistungsabruf sind schnell auch 16 l durchgeflossen - dauerhaft ist daher Diziplin im Umgang mit dem Gaspedal die einzige Möglichkeit, nicht ständig bei der Tankstelle vorfahren zu müssen.

Die Ausstattung (Highline) ist für meine Bedürfnisse mehr als ausreichend. Neben dem tollen 6-Zylinder-Motor mit 150 KW/204 PS (Hubraum: 2,8l/max. Drehmoment 270 Nm bei 3.200/min) und dem bereits erwähnten Allradantrieb sind auch die inneren Werte sehr ordentlich. Mein Fahrzeug hat die schwarze Recaro-Lederausstattung sowie ein Glasschiebe-/Hubdach an Bord. Ein 6-Gang-Getriebe - ich erwähnte es bereits - ist hier serienmäßig vorhanden.

Als problematisch hat sich für mich jedoch nach recht kurzer Zeit die Sitzposition des Fahrersitzes erwiesen. Als großgewachsener Mensch (1,93m) stellten sich bereits nach wenigen Wochen erste Rückenbeschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule ein, die nach und nach immer schmerzhafter wurden. Obwohl es sich bei den Vordersitzen um höhenverstellbare Recaro-Ledersitze mit manueller Lordosestütze handelt, war die Sitzposition auch in der tiefsten Einstellung immer noch zu hoch. In diesem Zusammenhang war auch das Vorhandensein des elektrischen Glashubdaches - eigentlich ja eine gute Sache - nicht hilfreich. Denn: durch die Vertiefung im Dach (Rahmen) ist gegenüber den Modellen ohne Glasdach spürbar weniger Raum über dem Kopf vorhanden.

Ein Umbau des Original-Sitzes - quasi eine weitere Tieferlegung - war technisch nicht machbar. Eine Änderung musste aber zwingend her, sonst hätte ich das Auto wegen akuter Rückenprobleme irgendwann verkaufen müssen. Und das bei einem völlig serienmäßigen Fahrwerk und unveränderter Rad-/Reifenkombination, also 205/55/16 auf 6,5 x 16 Zoll. Soweit durfte es nicht kommen!

Die Lösung brachte schließlich der Tausch des Fahrersitzes gegen einen aktuellen Sportsitz der Fa. Recaro, und zwar einen Ergomed ES in Lederausführung, allerdings ohne Seitenairbag - er wurde deaktiviert. Der Sitz wurde in Verbindung mit einer Recaro-Konsole verbaut, was nur so problemlos machbar ist. Nach und nach ließen die Rückenbeschwerden zumindest deutlich nach, der Sitz ist mit seinen zahlreichen Verstellmöglichkeien eine Wucht. Allerdings ist die Umrüstung recht teuer gewesen: die Kosten für Sitz und Konsole lagen bei 2.200 €, beides gebraucht. Ich hatte aber das Glück, einen absolut neuwertigen Sitz zu ergattern, quasi wie aus dem Laden. Um nun dauerhaft eine möglichst optimale Sitzposition zu erreichen, habe ich mir eine elektrische Konsole einbauen lassen. So ist eine nahezu perfekte Einstellung möglich. Ich habe den Aufwand absolut nicht bereut, ich kann es jedem Großgewachsenen mit empfindlichem Rücken nur wärmstens empfehlen. Einziger Nachteil: es gibt keine Memory-Funktion!

Nervig sind die diversen Geräusche, mit denen man sich als Golf 4-Fahrer leider immer wieder herumschlagen muss. Glücklicherweise halten sie sich bei meinem Wagen noch in erträglichen Grenzen. Es handelt sich hier insbesondere um das Knacken der Türen, auch Knarzgeräusche sind gelegentlich zu vernehmen. Die jeweiligen Ursachen verläßlich zu finden und dauerhaft komplett abzustellen, ist quasi unmöglich - man muss damit leben lernen.

Folgende größere Mängel traten bisher auf:

- defekter Drehstromgenerator (KM-Stand 68.000, Kosten: 650,00 €)
- defekte Zylinderkopfdichtung (KM-Stand 103.000, Kosten: 1.080,00 € - 900,00 € übernahm die Garantievers.)
- verschlissene Achsgelenke der Vorderachse und
- ausgeschlagene Querlenker.

Vermutlich ist hierfür der doch recht schwere Motor mit verantwortlich. An kleineren Mängeln traten bisher auf:

- zwei defekte Zündspulen
- defekter Fensterheber (Fahrerseite)
- verschlissene Gummis an den Stabilisatoren vorne und hinten
- defekter Nockenwellenimpulsgeber (KM 103.900, Kosten: 230,00 €)
- mehrere defekte Schlauchverbindungen (Unterdruckschläuche)
- Blinkerhebel defekt

Der aktuelle Kilometerstand beträgt 144.000 km.

Die bei diesem Modell gelegentlich bemängelten Steuerketten sind bisher frei von Rasselgeräuschen. Allerdings wurden auch alle Serviceintervalle bei VW penibel eingehalten und pünktlich durchgeführt.

Abschließend ist zu sagen, dass ich das Fahrzeug insgesamt empfehlen kann. Interessenten sollten wissen, dass es sich um keine Sparvariante des Golf handelt. Nach Möglichkeit sollte beim Händler gekauft werden, um möglichst eine Garantie zu erhalten. Diese ist jährlich verlängerbar und kostet ab 410 €/Jahr. Die Kosten für die Garantieverlängerung steigen mit dem Fahrzeugalter bzw. der Laufleistung weiter an, mittlerweile liegen sie bei 530 €/Jahr. Ob sich eine weitere Verlängerung jeweils wirklich lohnt, muss jeder für sich entscheiden. Bei einer Gegenüberstellung für mein Fahrzeug waren bisher die Prämien für die Garantieverlängerungen in Summe deutlich höher als die Übernahmen eben durch diese Versicherung: 2.500 € stehen hier 1.250,00 € gegenüber. Legt man bei einer möglichen Versicherungskündigung die eingesparten Prämien künftig auf die Seite, kommt man möglicherweise günstiger weg. Nur ist eben leider völlig unklar, welcher Schadensfall wann eintritt und ob er dann tatsächlich als Garantieleistung abgerechnet werden kann.

Bedingt durch das Alter entsprechender Fahrzeuge - der Golf IV wurde als Limousine lediglich bis 2003 gebaut - werden die Golf IV V6-Modelle beim Händler jedoch mittlerweile immer seltener. Vermutlich muss daher immer häufiger doch auf Fahrzeuge privater Anbieter zurückgegriffen werden.

Der Fahrspaß ist jedenfalls groß, das Suchtpotential ebenfalls. Der tolle Motor in Verbindung mit dem Allradantrieb und der guten Ausstattung ist für mich noch immer erste Wahl. Ein zeitweise angedachter Ersatz durch einen R32 hat sich nach mehreren durchgeführten Probefahrten recht schnell erledigt: zu auffällig und vor allem zu hart. Außerdem ist der nochmals teurer und verbraucht noch mehr Kraftstoff. Allerdings hat dieser die besseren Bremsen, ich erwähnte es bereits. Der Golf IV V6 4Motion ist kein Sportwagen, eher ein kräftiger Cruiser. Hohe Reisegeschwindigkeiten - eine freie Piste vorausgesetzt - sind in jedem Fall problemlos und entspannt möglich.

Vielleicht noch ein abschließender Hinweis: bedingt durch das Vorhandensein des Hinterachsgetriebes (hier ist die hydraulisch arbeitende Haldex-Kupplung angeschlossen) ist der Kofferraum in der Tiefe spürbar geringer als bei den Fronttriebler-Gölfen; entsprechend schrumpft das Fassungsvermögen spürbar.

Wer Understatement mag und mit einigen kleineren Mängeln leben kann, für den ist der Golf IV V6 4Motion ein angenehmer Begleiter und ein sehr wirksames Antidepressivum. Ich hoffe, ich konnte mit meinem doch sehr ausführlichen Bericht möglichst viele interessierte Leser umfänglich informieren.

Stärken
- Allradantrieb
- ansprechendes Design
- ausreichendes Platzangebot
- Fahrspaß
- sehr gutmütiges Fahrverhalten
- Toller Motorsound
- verzinkte Karosserie
Schwächen
- Bremsen nur Mittelmaß
- Geräusche (Knarzen etc.)
- recht hoher Verbrauch
- Sitzposition problematisch
- Unterhaltung relativ teuer

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12/2005 – heute
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Technische Daten
VW Golf 2.8 V6 4Motion (1999-2003) IV

Aufbauart: Limousine
Preis: 27.445,– 
Leistung: 150 kW (204 PS)
Kraftstoff: Benzin/Super
Max. km/h: 235 km/h
Beschleunigung: 7,1 s (0–100 km/h)
CO2-Emission: 259 g/km
Verbrauch / 100 km:
• städtisch: 15,5 l
• außerstädtisch: 8,1 l
• gesamt: 10,8 l
Eigengewicht: 1407 kg