Unsicherheiten bei Gebrauchtwagenpreisen

Der Markt für gebrauchte Autos gerät in Bewegung. Bisher waren Dieselfahrzeuge in vielen Klassen beliebt, der Verbrauch ist niedriger als der eines vergleicharen Benziners, zudem kostet Diesel weniger als Benzin. Der VW Abgasskandal 2015, bei dem eine Manipulation der Abgaswerte in Millionen von Dieselfahrzeugen aufgedeckt wurde, beschädigte allerdings den bis dato guten Ruf des Dieselantriebs. Nun, fast zwei Jahre später flammt die Problematik erneut auf. Der Grund? Die Abgasgrenzwerte für giftiges Stickstoffdioxid werden außerhalb der Labore meist um ein Vielfaches überschritten. Die Dieseldebatte hinterlässt bereits deutliche Spuren auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

Die erhöhten Abgaswerte in Form von umweltschädlichem Stickoxid lassen Autofahrer und Käufer verunsichert zurück. Laut einer Umfrage der DAT befürchtet jeder fünfte Dieselfahrer sinkende Verkaufspreise und möchte daher seinen Gebrauchtwagen so schnell wie möglich loswerden. Hinzu kommt, dass in Städten wie Stuttgart und München ab 2018 ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge in Kraft treten soll. Grund hierfür ist, dass viele deutsche Großstädte die vorgeschriebene Stickstoffdioxid-Norm nicht einhalten. In eben solchen Städten fallen Statistiken zufolge die Preise für Dieselautos schneller. So sanken laut einer Datenerhebung von mobile.de die Gebrauchtwagenpreise in Stuttgart um rund vier Prozent. Im bundesweiten Jahresvergleich zeigt sich, dass der Verkaufsdruck der Dieselbesitzer so hoch ist wie schon lange nicht mehr. Die Zahl der angebotenen Fahrzeuge mit Dieselantrieb stieg um 14 Prozent, während die der Benziner um fünf Prozent sank. Die Dieselproblematik ist auf dem Markt angekommen.

Dass das Preisgefüge auf dem Gebrauchtwagenmarkt stark betroffen ist, zeigen die bundesweiten Preise verschiedener Mittelklasse-Modelle mit Dieselmotoren. Besonders stark sank demnach der Preis für den BMW 3er mit 6,7 Prozent, den VW Golf mit 5,6 Prozent sowie für den VW Tiguan mit 5,4 Prozent. Doch nicht nur Fahrzeuge der Mittelklasse verlieren an Wert. Auch Großraumlimousinen, SUVs, Sportwagen und Kleinwagen der unteren Mittelklasse sind von der Wertminderung nicht verschont geblieben. Die Unternehmensberatung Robert Berger prophezeit laut ihrer Studie den Einbruch des europäischen Diesel-Anteils bei Autos der Mittel- und Oberklasse bis 2030 auf ein Drittel des bisherigen Bestands. Bei Kleinwagen soll dieser sogar gegen Null gehen.

Dem Wertverlust entgehen: Aber wie? Für Autofahrer gibt es diverse Möglichkeiten, den aktuellen Wert ihres Fahrzeugs zu überprüfen. Verschiedene Anbieter stellen Online-Preisrechner zur Verfügung, die einem den Gebrauchtwagenwert anzeigen. Als einfach und übersichtlich erweist sich das Bewerten des Autos bei wirkaufendeinauto.de, andere Plattformen verlangen teils umfangreiche Dateneingaben. Mit einer ersten Schätzung hat man zumindest eine gewisse Vorstellung davon, wie es momentan preislich um den eigenen Gebrauchtwagen steht. Man hat sogar die Chance auf einer solchen Plattform sein Auto zu verkaufen, ehe es um den Restwert des Autos schlechter steht. Denn auch Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management erwartet, dass der Marktwert der mit Diesel angetriebenen Fahrzeugen fallen wird. Grund dafür ist die anhaltende Debatte über zu befürchtende Fahrverbote, welche sich auf den Gebrauchtwagenmarkt auswirken.

Gebrauchtwagenhändler sehen das Problem auf den eigenen Stellplätzen. In der Regel stand ein gebrauchtes Benzinauto rund 80 Tage lang auf dem Hof, genauso lange wie ein Dieselfahrzeug. Die Standzeiten entwickeln sich seit Juli 2016 jedoch deutlich auseinander. Während ein Benziner nun 89 Tage verweilt, steht ein Diesel heutzutage durchschnittlich neun Tage länger bis dieser verkauft wird. Begründet wird das Phänomen dadurch, dass jeder vierte Gebrauchtwagenkäufer die Diesel-Entwicklung abwarten will, ehe er sich für ein Dieselauto entscheidet.

Wie wird sich der Trend weiterentwickeln? Dass Kunden in Autohäusern vermehrt nach Benzinern als nach Dieselfahrzeugen fragen, kann auch Michael Niebel von Autohaus Brandenburg bestätigen. Der Geschäftsführer verkauft heute 10 Prozent weniger Dieselautos als früher. Der Grund könnte hierfür das steigende Interesse an benzinbetriebenen Sport- und Nutzfahrzeugen sein, wie die steigende Nachfrage nach kleinen SUVs mit Benzinmotor bestätigt. Obwohl Euro-6-Dieselmotoren im Verbrauch sparsamer sind als Benziner, besteht das Problem des hohen Stickoxidgehalts. Benzinmotoren haben zwar grundsätzlich eine etwas bessere CO2-Bilanz, durch den im Vergleich zum Diesel höheren Verbrauch wird dieser Vorteil aber zunichte gemacht. Elektroautos sind dagegen derzeit noch sehr teuer und aktuellen Studien zufolge auch nicht spürbar sauberer als herkömmlich angetriebene Fahrzeuge. Käufern mit Interesse an einem Neuwagen rät der ADAC bis Herbst 2017 zu warten. Dann kommen Modelle mit der Standard Abgasnorm Euro 6D auf den Markt. Experten gehen trotz allem davon aus, dass der in Verruf geratene Selbstzünder noch viele weitere Jahre am Markt präsent sein wird. Es bleibt also abzuwarten wie schnell sich das Diesel-Image wieder erholt und wie sich die Preispolitik auf dem Automarkt künftig entwickeln wird.

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